skip to Main Content

Sound Walk Berlin von field notes

Berlin
2021

[DE] Was macht die Stadt mit der Musik und umgekehrt die Musik mit ihr? Mit dem Sound Walk Berlin möchte die initiative neue musik berlin / field notes die Debatte über die soziale und politische Bedeutung der Musik im urbanen Raum und ihre Repräsentanz in der Stadt vertiefen, wobei auch der Klang der Stadt selbst in den Blick genommen wird. Mit dem Sound Walk Berlin erobert die zeitgenössische Musikszene den Stadtraum und macht die Straßen Berlins zur Bühne.
Künstler*innen, Ensembles und Bühnen der zeitgenössischen Musik haben für den Sound Walk diverse Orte in Berlin klanglich erweitert oder neu definiert. Die Sound- und Musikbeiträge interagieren mit den urbanen Klängen des Ortes aus Verkehr, Stimmen, Spielplätzen, U-Bahn und Baustellen und kommentieren dessen architektonische Beschaffenheit, Geschichte und Umgebung.
Der Sound Walk Berlin lädt Bewohner*innen und Besucher*innen dazu ein, die Stadt aus Perspektive der Künstler*innen zu erfahren. Die persönlichen Hörerlebnisse sensibilisieren für den individuellen Klang unserer Wohn- und Lebensräume, schärfen den Blick bzw. das Gehör für die Verbindung von Klang und Stadt und regen vielfältige Diskussionen über den Klang der Stadt und zu Räumen für Musik an. Bei den Spaziergängen kann im selben Zug die Stadt und die zeitgenössische Musikszene (neu) entdeckt werden.
Hier geht’s zur interaktive Karte des Sound Walk Berlin von field notes..

[EN] What is the relationship between music and place? With the Sound Walk Berlin, inm / field notes aims to deepen the debate surrounding the social and political significance of music in urban space and its representation, while also observing the sound of the city itself. With the Sound Walk Berlin, the contemporary music scene is reclaiming its urban space and turning the streets of Berlin into a stage!
Artists, ensembles and venues of the contemporary music scene expanded or redefined various places in Berlin in terms of sound. Sound and music interact with the existing urban sounds of a place (such as traffic, voices, playgrounds, subway and construction sites) or comment on its architecture, history and surroundings.
With the Sound Walk Berlin, residents and visitors can experience the city from the perspective of the artists. These personal listening experiences sensitise the listener to the unique sounds of our living spaces, and to the connection between sound and city, and thus stimulate diverse discussions about the relationship between sounds of the city and spaces for music. On the walks, both the city and the contemporary music scene can be (re)discovered.
The interactive map of Sound Walk Berlin by field notes can be found here.

HÖRPROBE

 

SOUNDSPOTS

An zahlreichen Orten im Berliner Stadtraum ist Musik von Künstler*innen hinterlegt.

Daniela Fromberg & Stefan Roigk: »transition«
Die Komposition »transition« erklingt an ihrem Entstehungsort, dem Wohnhaus Ecke Dänenstraße 8 / Seelower Straße 1 in Prenzlauer Berg. Als Klangmaterial dienen Aufnahmen von Bauarbeiten während der Modernisierung dieser Häuser: Brummen, Klopfen, Schlagen, Rauschen, Schleifen und vibrierende Echos. Durch eine dynamisch gebrochene, musikalische Struktur und räumlich sehr ausdifferenziertes Klangmaterial entsteht eine filmartige und suggestive Atmosphäre … Veränderung in ihren zerstörerischen wie auch produktiven Momenten.

Microtub: »The Pederson Concerto«
Versteckt zwischen Richardplatz, Kirchgasse und Böhmischer Straße liegt ein Platz, der als alte Streuobstwiese bekannt ist. Hier sind alle willkommen mitzugärtnern, eigene Ideen einzubringen oder die Ruhe im Herzen von Rixdorf zu genießen. »The Pederson Concerto« ist ein Werk des mikrotonalen Tuba-Ensemble Microtub. Für ihre Musik wählte das Ensemble Orte, die durch ihre friedliche Atmosphäre eine Zuflucht vor dem geschäftigen Stadtleben bieten. Das Stück erforscht den harmonischen Raum, parallel zur Erkundung des physischen Raums durch die Klangspaziergänge.

Michael Hirsch: »La Didone abbandonata« 3. Akt (2004)
Auf dem Friedhof am Halleschen Tor liegt die Grabstelle des 2017 im Alter von nur 58 Jahren in Berlin verstorbenen Komponisten Michael Hirsch. Seine letzte Produktion war eine »DIDO«-Oper 2017 an der Deutschen Oper Berlin, der seine Kurzoper »La Didone abbandonata« aus dem Jahr 2004 als Prolog vorangestellt war. Besonders berührend ist der nur wenige Minuten dauernde 3. Akt der Oper: Dido bleibt verlassen zurück. Sie singt, doch auch ihr Gesang verschwindet nach und nach in der sie umgebenden Musik.

ROUTEN

Die Routen des Sound- oder Audiowalks führen einer Dramaturgie folgen zu diversen Stationen.

Walk and Talk: Zwischen Sonnenallee, verschwundener Clubkultur und A100
Lukas Staudinger und Christian Haid flanieren von der S-Bahn-Station Sonnenallee ausgehend an dem Gebäude entlang, das bis Anfang 2020 die Griessmuehle beherbergte, streifen am Estrel Hotel vorbei und biegen in die Ziegrastraße ein, von wo aus sie zur Brücke über der teuersten Autobahn Deutschlands, der A100, gelangen. Dabei sprechen die beiden Urbanisten und Betreiber von POLIGONAL über die historischen Entwicklungen dieser Ecke in Berlin-Neukölln und wie sich das Stadtbild dort gewandelt hat. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den kulturellen Auswirkungen dieser urbanen Transformationsprozesse. Der Lecture Walk der beiden vermittelt allen Mitreisenden spielerisch-nahbar einen Einblick in die Geschichte, Gegenwart und mögliche Zukunft eines besonderen Areals, das wie kein zweites die historischen Veränderungen im Stadt- und Kulturleben der Hauptstadt symbolisiert.

Kirsten Reese/ David Wagner: »Berlin Rosenthaler Platz« (2018) Ein Audiowalk mit singenden Sirenen 
Auf einer Route um den Rosenthaler Platz wird die Straße zur Bühne. Alltagsgeschehen wird überlagert von literarischem Text, atmosphärischem Klang und Soundscapes, komponierter Musik und Gesang sowie Zuspielungen historischer Originaltöne. Vier Stimmen führen in die Klangwelt der Vorkriegsvarietés, hinein in das jüdische Leben der zwanziger Jahre, erzählen von sozialen Brennpunkten im 19. Jahrhundert und vom Leben in der DDR. Sie lauschen den illegalen Clubs der neunziger Jahre – und plötzlich singen die Sirenen. Auf dem Weg durch Park und U-Bahnhof mischen sich Alltagsgeräusche und Soundscapes zu einer Klang-Inszenierung der Gegenwart. Erinnerung und Gegenwart gelangen zu gleichzeitiger Präsenz und lassen das Jetzt als flüchtigen Moment innerhalb unaufhörlichen Wandels erfahren.

DOWNLOAD des Walks über die App DRIFTER

DRIFTER vereint sämtliche Soundspots und Routen des Sound Walk Berlin. Das Projekt ist im Rahmen der Plattform für zeitgenössische Musik und Jazz field notes von der inm – initiative neue musik berlin entstanden.

Die inm – initiative neue musik berlin e.V. bündelt und vertritt als Dachverband der freien Szene der neuen Musik die Interessen der Akteur:innen der Berliner Szene gegenüber Politik und Verwaltung. Sie ist als Sprachrohr und Partnerin im Dialog etabliert und als Förderinstitution ein wichtiger Bestandteil der Berliner Kulturlandschaft.